Alchemisten und die Herstellung von synthetischem Gold

Ein bärtiger alter Mann, der über seinen Ofen gebeugt ist, inmitten von Grimoires und verstaubten Gläsern… Dieses Bild von Epinal und seinen vielen Ableitungen hat sich in unseren rationalen und skeptischen Verstand eingeprägt. Wer hat noch nie vom Stein der Weisen, dem Elixier der Jugend oder der Transmutation von Metallen gehört? Der Laie ist versucht, über die Beschwörung dieser Obskurantisten aus einer anderen Zeit zu lächeln: Blei in Gold verwandeln zu wollen, wie naiv!

Der Alchemist, dieser Unbekannte

Und doch… trotz der verstrichenen Jahrhunderte sind die Alchemisten immer noch präsent. Vom alten Ägypten und Griechenland über den Nahen Osten, die arabische Welt und dann das mittelalterliche Europa haben die Anhänger der alchemistischen Kunst im Laufe der Jahrhunderte das Erbe des Gottes Thoth und des Hermes Trismegistus weitergegeben. Jean Pierre Giolitto, selbst ein Eingeweihter, gehört zu denen, die davon sprechen. Er beharrt auf dem eminent okkulten Charakter der Alchemie: Ihre Symbolik ist komplex, die Bilder verschlüsselt, die Schriften kryptisch. Ohne Anleitung verirrt sich der Laie darin. Was ist zum Beispiel mit der berühmten Umwandlung von Blei in Gold? Was sind seine Grundlagen? Ist es ein rein materialistisches Streben, so naiv wie selbstsüchtig, oder ist es ein metaphorisches Bild der spirituellen Reise?

Der göttliche Geist offenbart sich in allen Dingen

Für Alchemisten unterliegt die Welt kosmischen Regeln, die durch alles, was sich manifestiert, beobachtbar und verständlich sind. Eine der wesentlichen Grundlagen der Alchemie beruht auf dem Prinzip der Einheit: in aller Materie koexistieren die 3 Prinzipien (Salz, Schwefel und Quecksilber) und die 4 Elemente (Erde, Wasser, Luft und Feuer). Auf der anderen Seite spiegeln sich der Makrokosmos -das Universum- und der Mikrokosmos -der Mensch- gegenseitig. So werden durch ein subtiles Netzwerk von Analogien und Korrespondenzen die göttlichen Regeln der Weltordnung offenbart. Der Adept kann sich so bewusst mit dem gesamten Universum verbinden und seine Ziele erreichen.

Das große Werk: Schwarz, Weiß, dann Rot

Die höchste alchemistische Errungenschaft, das Große Werk, durchläuft drei Stufen: das Werk in Schwarz, das Werk in Weiß und das Werk in Rot. Indem er das Metall mit dem Feuer bearbeitet, sucht der Alchemist nach dem Geist, der darin wohnt. Nacheinander aufgelöst und wieder zusammengeführt, wird das Metall allmählich umgewandelt, “gereift”, bis es seinen Idealzustand erreicht: die perfekte Reinheit von Gold. Die Transmutation des Metalls und die innere Reise sind wie zwei Seiten einer Medaille. Blei in Gold zu verwandeln bedeutet, wiedergeboren zu werden, die Welt neu zu erschaffen, zur Kontemplation zu gelangen. “Niemand kann wirklich Blei in Gold verwandeln, ohne sich vorher innerlich zu verwandeln. Und wer sich bereits sublimiert hat… braucht kein Gold mehr zu machen! “Das Wort eines Alchemisten.